Gedicht an die Dauer - kib bleiburg

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Gedicht an die Dauer

Theatertage > 2014 Aufbrüche
Gedicht an die Dauer

Literarischer Waldspaziergang

Sprecher Reinhard Wulz

Musik Werner Potocnik – Bambus-Saxophon

Konzept Michael Stöckl

Sprechtraining Stephan Wapenhans

Das Thema des Gedichtes ist die Frage nach der Dauer. Was kann das sein? Was macht sie aus? Diese Frage stellt einen wohltuenden Gegenpol dar zu vielen Erfahrungen der gegenwärtigen Zeit, wo das Leben immer schneller zu werden droht. Immer seltener bleibt uns Zeit und Raum, um innezuhalten im Hetzen und Laufen, um zumindest in ein bewusstes Gehen zu kommen, bei dem es möglich ist, wahrzunehmen, was uns umgibt und in uns ist.
Für Peter Handke hat das Gehen seit jeher eine besondere Bedeutung. Das Gehen über Felder, in den Wald, über Länder, über Grenzen. Seine Reflexionen über das Phänomen der Dauer sind im Jahr 1986 während seiner Spaziergänge entlang der Hügel in Salzburg entstanden. Wir begeben uns also mit unseren Spaziergängen auf die Fährte seiner Gedanken und nutzen dabei den Entstehungsort dieses Textes als Aufführungsort - die uns umgebende Natur.
Kein Aufsatz, keine Szene, keine Geschichte – ein Gedicht an die Dauer, als sei sie ein Lebewesen, etwas Leibhaftiges, als sei mit ihr zu reden. Die Dauer gründet auf Vergangenem, entsteht, da sich »das flüchtigste aller Gefühle« verflüchtigt hat, in der Gegenwart und wird zur vollendeten Zukunft.

Das Gedicht an die Dauer ist ein Exerzitium, eine geistige und körperliche Übung.
Dauer ist kein zu erbittendes, zu erbetendes Geschenk, sie ist das Ergebnis, ein Zustand, der sich erreichen lässt. Ein Gedicht an die Dauer heißt nichts anderes als das zu beanspruchen, worauf der Mensch seit der Vertreibung aus dem Paradies keinen Anspruch mehr hat: In der Vergänglichkeit, der Nichthaltbarkeit erkennen, was unvergänglich, was doch haltbar ist, und dies aufzuheben in einem Gedicht, einem Kunstwerk – diesem Synonym für eine irdische Ewigkeit.
(© Suhrkamp Verlag)

 

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