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Ein Besucher schreibt

Faschingskabarett > Programm 2018
Das 25. Bleiburger Faschingskabarett

Wer meinen sporadisch erscheinenden Critique & Review Feed auf FB konsumiert, weiß dass ich mich normalerweise auf Filme beziehe. Ich habe aus aktuellem Anlass beschlossen, mein Nahrungsspektrum zu erweitern und einen Beitrag zur 25. Auflage des Bleiburger Faschingskabarett zu verfassen – here it goes:

Wenn man an unser schönes südlichstes Bundesland in Zusammenhang mit Fasching denkt, dann schießen einem sofort Bilder von der „Lei Lei Show“ oder dem Villacher Fasching durch den Kopf. Warum? Weil uns der gute ORF bereits seit Jahrzehnten damit indoktriniert hat und somit implizit fast eine „Kultur- und Stylemonopol“ für Kärntner Faschingsaktivitäten festgelegt hat. Man mag zu den beiden genannten Veranstaltungen stehen, wie man möchte, aber ich biete euch, liebe Leser(innen), einen verdammt guten Grund mit dieser Konditionierung zu brechen und sich einer komplett neuen Dimension von unerwartet hochwertiger Faschingsunterhaltung zu öffnen, die man in dem kleinen verschlafenen Grenzstädtchen Bleiburg im zweisprachigen Dreiländereck zwischen Steiermark, Kärnten und Slowenien so nicht zu finden erwartet hätte! (Ja, das war ein langer Satz, seid ihr noch dabei ;-) ?)

Zunächst ein paar Worte zum Setting: Wir befinden uns im „Grenzlandheims“ Bleiburg. Dicht an dicht gepackte Streifen aus Stühlen mit gelegentlich kleinen runden Tischen dazwischen, unterbrochen von schmalen Korridoren durchziehen die gesamte Fläche des großen Saals. Ca. 400 Personen werden (die Veranstaltung ist wie alle bis auf den letzten Platz ausverkauft) in Kürze den Raum in einen „zivilisierten“ Ameisenhaufen verwandeln. Hinten im Technikbereich nehmen nicht weniger als 4 hochqualifizierte Heinzelmännchen Platz um die Geschicke von Scheinwerfern, Verstärkern, Mischpult, Special-FX und Digitaleinspielern / Samplern zu lenken. Zwischen den dichtgepackten, wohlgekleideten Gästen tummeln sich fleißige Kellner. Nicht nur humoristisch sondern auch leiblich wird man hier umsorgt. Das rechte Drittel der Bühne wird von der 12köpfigen Bleiburger Faschingskombo eingenommen. Es ist angerichtet. Die Bestellung ist aufgenommen, der Ton ist an, Spot (is) on und schon erdonnert der pompöse Klang der Bleiburger Faschingskombo. Der Reigen beginnt. Ganze 3 Aufzüge, 13 Auftritte / Sketches und über 4 Stunden Programm stehen vor uns.

Wer nun auf eine müde Rezitation von „eh scho‘ wiss‘n“-Villacherfaschingsgildeschmähs oder aber auch an klassische Kabarettstücke denkt, wird sich wundern. Anstelle dessen präsentiert sich die Bleiburger

Faschingskabaretttruppe schlagfertig, wortgewandt und vor allem unglaublich MUSIKALISCH. Nebst der ausgezeichneten humoristischen Darbietung, die neben Klassikern wie Polizisten-, Autofahrer- und Arbeitslosensketches ein breites Spektrum an aktueller – als auch Politik der Vergangenheit, Integration- und Diversität, Culture Clash sowie charmante Anspielungen an andere Großmeisterstücke der Kabarett- und Kleinkunst wie Freddy Frintons geniales „Dinner for One“ bietet, war vor allem die genial mit der Szenerie verwobene Musikbegleitung ein echtes Highlight des Abends. Die Band erfreute mit hochenergetischen aber dennoch gefühlvollen und technisch perfekt umgesetzten Neuinterpretationen von Klassikern der aktuellen Popgeschichte als auch Evergreens. Besonders hervorgehoben seien an dieser Stelle die brillanten Solisten am E-Piano als auch an der Mundharmonika, deren schmissige Jazzigkeit (die normalerweise nicht so mein Ding) mich dennoch umhauten. Die Musik umspannt, durchzog und umfasste die ganze Show. Kaum eine Nummer in der nicht auf beachtlichem Level mehrstimmig gesungen wurde. Die Choreografien waren vielleicht nicht auf Broadwayniveau (was bei einer solchen Veranstaltung aber auch gar nicht gepasst hätte), aber in Summe denkt man als Besucher keine Minute lang da eigentlich eine Mannschaft an Laien vor sich zu haben, welche keinerlei einschlägige Ausbildung im Bereich, Skriptwriting, Regie, Schauspiel, Gesang oder Tanz genossen haben.

Natürlich lacht man(n) nicht bei jedem Witz – aber bei unglaublich vielen! Der sympatische und stets selbstironische Umgang mit sich selbst, der Sprache und dem (herzigen) Dialekt (auch dem Slowenisch-Windischen), der lokalen Szene und Politik zaubert dem Besucher ein Lächeln auf die Lippen. - Am Schluss „san wia jo olle a bissale deppad“.
4 Stunden vergingen (mit klug gewählter (Klo-)pausenstrategie) wie im Flug und ohne Längen! Am Ende gab‘s verdiente stehende Ovationen und gleich drei Zugaben der Kombo.

Meine Wertung: ANSCHAUEN!!! - Das ist allerdings erst wieder bei der 26. Auflage möglich, denn die verbleibenden 3 Vorstellungen sind laut Kenntnisstand des Autors restlos ausverkauft.

Stefan Schwarzmair

 

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