Draußen vor der Tür - kib bleiburg

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Draußen vor der Tür

Theatertage > 2013 Achtung ProvincA
Draußen vor der Tür

„Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“

ENSEMBLE

Beckmann Reinhard Wulz
der Andere Klaus Tschaitschmann
der Fluss ´ Christine Ottowitz
der Tod Hermann Enzi
alter Mann, Gott Florian Kutej
Mädchen Johanna Hainz
der Einbeinige Christopher Visotschnig
der Oberst Philipp Hainz
die Frau des Oberst Nada Breznik
Kabarettdirektor(in) Mateja Kerbitz
Frau Kramer Iris Semprimoschnig

Regie Michael Stöckl

Musik ´Stefan Thaler - Kontrabass u. musikalische Leitung
Thomas Kail - Percussion u. Effekte, Gitarre
Werner Potocnik - Saxophon

Bühnenbild u. Ausstattung Simona Krajger
Schauspieltraining Stephan Wapenhans
Technik und Licht Martin Motschnik
Technische Aufbauten Lukas Ottowitz, Jurij Opetnik
Souffleuse Rosi Zdravja
Filmische Bearbeitung Seppi Tomitz

Organisation Maria Marschnig-Hober
Weil das Sudhaus in Sorgendorf allen Unkenrufen zum Trotz sich standhaft dem Verfall widersetzt, und weil es für das Stück »Draußen vor der Tür« kaum einen besseren Spielort geben kann, haben wir uns entschieden, hier die Geschichte einer Heimkehr in Szene zu setzen. Wolfgang Borcherts einziges Theaterstück, das er nach der Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft verfasste, löste heftige Publikumsreaktionen aus. Als Aufschrei einer stummen, verlorenen Generation wurde es ein Welterfolg.

Die Entstehungszeit für Wolfgang Borcherts einziges Theaterstück wird mit Herbst 1946 angenommen, er schrieb es innerhalb von nur acht Tagen. Am 13. Februar 1947 wurde es erstmals als Hörspiel vom Nordwestdeutschen Rundfunk ausgestrahlt, am 21. November 1947 folgte die Uraufführung als Theaterstück in den Hamburger Kammerspielen. Im Zentrum der Handlung steht der Kriegsheimkehrer Beckmann mit seinen Versuchen, sich wieder ins Leben einzugliedern. Auf den Stationen seiner Suche nach einem Platz in der Gesellschaft richtet er Forderungen nach Moral und Verantwortung an verschiedene Personentypen, Gott und den Tod. Sowohl die Radioausstrahlung als auch die Bühnenpremiere wurden große Erfolge und machten den bis dahin unbekannten Borchert berühmt. Das Stück gilt als Aufschrei einer durch den Krieg verstummten Generation.

Mit zunehmendem Abstand zum historischen Hintergrund wurde auch der Bezug zum Existenzialismus hergestellt. Der amerikanische Germanist Karl S. Weimar stellte den Zusammenhang mit Jean-Paul Sartres Drama Geschlossene Gesellschaft her, in dem die drei Protagonisten in der Gesellschaft eingeschlossen bleiben, wogegen Beckmann von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. In beiden Dramen leiden die Protagonisten an der zwischenmenschlichen Position zu ihren Mitmenschen und suchen diese zu verbessern. Die Ausgangssituation ist ein Zustand der Entfremdung, das Ziel eine authentischen Existenz.

Heinrich Böll über Wolfgang Borchert

„Borcherts Schrei galt den Toten, sein Zorn den Überlebenden, die sich mit der Patina geschichtlicher Wohlgefälligkeit umkleideten. Zwei Jahre nur blieben ihm zum Schreiben, und er schrieb in diesen beiden Jahren wie jemand, der im Wettlauf mit dem Tode schreibt. Borchert hatte keine Zeit, und er wusste es. Die Erzählungen allein schon meisterhafte Kurzgeschichten, kühl und knapp, kein Wort zu viel, keines zu wenig, machen Borchert zu einem Dichter, der unvergessen macht, was die Geschichte so gern vergisst: die Reibung, die der einzelne zu ertragen hat, indem er Geschichte macht und sie erlebt.“

Wolfgang Borchert, geboren am 20. Mai in 1921 in Hamburg, gestorben am 20. November 1947 in Basel. Nach einer Schauspielausbildung wurde er 1941 zum Kriegsdienst in die Wehrmacht eingezogen und musste am Angriff auf die Sowjetunion teilnehmen, wo er sich an der Front schwere Verwundungen und Infektionen zuzog. Mehrfach wurde er wegen Kritik am Regime des Nationalsozialismus und sogenannter Wehrkraftzersetzung verurteilt und inhaftiert. In der Nachkriegszeit litt Borchert unter den im Krieg zugezogenen Erkrankungen und seiner Leberschädigung. Nach kurzen Versuchen, erneut als Schauspieler und Kabarettist aktiv zu werden, blieb er ans Krankenbett gefesselt. Dort entstanden zwischen Januar 1946 und September 1947 zahlreiche Kurzgeschichten. Während eines Kuraufenthalts in der Schweiz starb er mit 26 Jahren einen Tag vor der Uraufführung.

 

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