Blochziehen - kib bleiburg

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Blochziehen

Brauchtum
Das Blochziehen ist ein in weiten Teilen Europas verbreiteter Brauch zum Ende der Faschingszeit und hat seine Wurzeln wahrscheinlich in vorchristlichen Fruchtbarkeitsriten.
Waren es ursprünglich die Felder, deren Fruchtbarkeit durch „Pflugziehen“ um die Felder erbeten wurde, so wurde dieser Fruchtbarkeitswunsch offensichtlich im Lauf der Jahrhunderte auch auf das Menschengeschlecht übertragen.
Gab es in einem Dorf über das Jahr keine Hochzeit, so mussten die heiratsfähigen Burschen und/oder Mädchen zur Strafe einen „Bloch“ (entästeter Baumstamm) durch die Ortschaft ziehen.
Älteste schriftliche Zeugnisse dies Brauches gibt es aus Nürnberg um 1500 und Innsbruck aus 1460.
In Österreich ist das Blochziehen von Vorarlberg über Tirol, Steiermark und Kärnten bis ins Burgenland in den verschiedensten Formen nachweisbar. Auch in den Nachbarregionen in Deutschland, Schweiz, Italien, Slowenien und Ungarn wird ähnliches Brauchtum gepflegt.
(Quelle: Sepp Walter, in: Österreichischer Volkskundeatlas, 1971)


In Bleiburg (und in Teilen des Lavanttales sowie der Weststeiermark) wird seit jeher eine Sonderform des Blochziehens praktiziert:
Es wird ein Stück des Blochs abgesägt und den noch unverheirateten Mädchen vor die Füße geworfen bzw. übergeben. In früheren Zeiten war dies nicht nur eine „Gaude“ für die Beteiligten, sondern oftmals auch eine „Schande“ für die „Übrig-Gebliebene“.
Bertl Petrei, der große aus Bleiburg stammende Autor und Volkskundler beschreibt in seinem Buch „Der Kokolore“ das Blochziehen, wie er es in der Zeit um ca. 1930 in Bleiburg als Kind erlebt hat, folgendermaßen:


„.. Da war einer, der das Pferd führte, das vor den Bloch gespannt wurde; einer, der mit der Ziehharmonika die musikalische Begleitung besorgte; einer, der so etwas wie einen Klingelbeutel trug, und einer mit einem großen leeren Sack zur Aufnahme von Naturalien; zwei mit Säge und Zappl bewaffnet; vor allem aber einer, der es dem Mädchen „zu geben hatte“, gewissermaßen der Sprecher der Gruppe. … Schon bei der Besprechung der Route gab es ein Mordshallo, wurde doch nicht nur beraten und festgelegt, welche Mädchen besucht werden sollten, es wurde dem Sprecher auch noch zu jedem der Opfer allerhand Wissenswertes mitgeteilt, oft sehr intime und deftige Einzelheiten. So mancher abgewiesene oder verabschiedete Liebhaber nahm die Gelegenheit war, sich solcherart zu rächen. …
 
In jedem Falle endete das Ganze damit, dass einer der Sägler das Tschockerl auf den Zappin spießte, es dem Mädchen hintrug und vor die Füße warf. In diesem Augenblick war allgemeines Juchezen, der Musikant setzte wieder ein, der Beutel wurde hingehalten und der weit geöffnete Sack. Die Verspottete musste nun die Burschen bewirten oder sich loskaufen. Zumeist erschien die Mutter mit Most, Speck und Brot, es wurde getrunken, Hoch gerufen, getanzt – und setzte der Blochzug seinen Weg fort zur nächsten Auserwählten.
Im Prinzip wurden alle Überständigen besucht. In der tatsächlichen Auswahl jedoch zeigten die in ihrem Spott so derben jungen Männer erstaunliches Feingefühl. Das begann schon mit dem Alter: Wurde die eine schon mit fünfzehn besucht, ließen sie der anderen unreiferen bis zum 17. oder 18. Lebensjahr Zeit; eine richtige „alte Jungfer“ wurde nie zum Ziel erkoren. War eine in ganz schmählicher Weise von einem Manne sitzengelassen worden, überging man sie ebenso wie eine mit körperlichem oder geistigem Gebrechen behaftete. .. Wie selbstverständlich sich in der Volksseele Derbheit und Feinsinn paaren “
(aus: Bertl Petrei, Der Kokolore, Menschen und Geschichten einer Kindheit, Carinthia Verlag 1991)

Bis ca. 1981 wurde das Blochziehen in Bleiburg noch von Cölestin Fleiss sen. aufrechterhalten. Da dieser Brauch in Vergessenheit zu geraten drohte, wird dieser ab 1984 von der Kulturinitiative Bleiburg (KIB) weitergeführt.
Treffpunkt ist alljährlich am Faschingsdienstag um 9 Uhr bei der „Zwick-Lagerhalle“ am Rosenweg, um daraufhin über die Bahnhofstraße und Postgasse zum Hauptplatz zu gelangen.
Auf dieser Strecke wird den unverheirateten Mädchen und Frauen auf einem Zappin ein abgesägtes Stück vom „Bloch“ hingehalten, welche dieses möglichst gekonnt vom „Zappl“ nehmen müssen. Dies als Hinweis auf deren „Noch - (bzw. schon wieder) – Ledig - Sein“ und als Aufforderung dies bis zum nächsten Fasching zu ändern.

Begleitet von Ziehharmonika, Gitarre, Teufelsgeige und Tuba wird seit vielen Jahren das „Blochziagalied“ gesungen:

Blochziagn is a olta Brauch, Blochziagn tua ma heia auch
viele Mädchen sind schon hier, kriegen einen Bloch von mir,
Blochziagn is a olta Brauch, Blochziagn tua ma heia auch
Blochziagn dos is wunderschen, next`s Johr wer`n ma wieda geh´n

Daraufhin - und nach erfolgter kleiner Geldspende - wird mit dem Mädchen kurz getanzt und zur nächsten Kandidatin weitergezogen.
Nach erfolgtem Blochziehen wird gemeinsam gegessen und getrunken und das Ende des Faschings gefeiert…….

Wie jedes lebendige Brauchtum hat sich auch das Bleiburger Blochziehen an die veränderten gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst: Da es – gottlob - bereits lange keine Schande mehr ist unverheiratet zu sein und so „Opfer“ der Blochzieher zu werden, wird der Bloch nunmehr als „Glücksbringer“ betrachtet.
Eines ist jedoch geblieben – Die „Gaude“ und das Bewusstsein ein in die fernste Vergangenheit zurückreichendes Brauchtum aufrechtzuerhalten.


 

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